Benedikt XVI. beigesetzt

SALZBURG (kap/eds) / Der ehemalige Papst Benedikt XVI. starb am 31. Dezember 2022 im Alter von 95 Jahren im Vatikan. Heute am 5. Jänner würdigte Papst Franziskus bei der rund zweistündigen Totenmesse auf dem Petersplatz seinen Vorgänger. Laut Angaben des Vatikans nahmen 50.000 Menschen auf dem Petersplatz an der Trauerfeier teil - knapp 200.000 Menschen haben dem verstorbenen Benedikt XVI. die letzte Ehre erwiesen. Trauergäste aus Salzburg teilen ihren Eindruck vor Ort mit.
Mit Hingabe und Feingefühl
In seiner Predigt ging Papst Franziskus besonders auf Benedikts Gottvertrauen ein, auf seine Hingabe im Gebet und Liebe zum Evangelium. Er erinnerte an die Mühen des Papsttums, die schwierige Aufgaben, denen sich „ein Hirte" stellen müsse - „zwischen Kreuzungspunkten und Widersprüchen". Schließlich erwähnte Franziskus die Rolle der Katholiken, die einem Papst anvertraut seien. Sie begleiteten sein Leben und vertrauten es anschließend Gott an. Er rief die Gläubigen dazu auf, Benedikt mit Dankbarkeit und Hoffnung noch einmal jene Liebe zu erweisen, die nicht vergehe. „Wir wollen dies mit derselben Salbung und Weisheit, mit demselben Feingefühl und derselben Hingabe tun, die er uns im Laufe der Jahre zu schenken wusste", so Franziskus. „Benedikt, du treuer Freund des Bräutigams, möge deine Freude vollkommen sein, wenn du seine Stimme endgültig und für immer hörst!"
Während des Gottesdienstes, der rund 90 Minuten dauerte, enthüllten vereinzelte Teilnehmer Spruchbänder. Auf ihnen dankten sie Benedikt, ein Transparent forderte mit den italienischen Worten "Santo Subito" die rasche Selig- und Heiligsprechung des Verstorbenen. Zahlreiche Teilnehmer aus Bayern schwenkten weiß-blaue Fahnen.
Der ehemalige Papst wurde in insgesamt drei ineinander passenden Särgen beigesetzt: einem aus Zypressenholz, einem aus Zink und einem dritten Sarg aus Eichenholz. Danach wurde Benedikt in den Vatikanischen Grotten unter dem Petersdom in das ehemalige Grab von Papst Johannes Paul II. hinabgelassen. Das entsprach dem Wunsch des früheren deutschen Papstes.
Glaube und Vernunft versöhnen
Benedikt XVI./Joseph Ratzinger war am 31. Dezember 2022 im Alter von 95 Jahren im vatikanischen Kloster Mater Ecclesiae gestorben, wo er seit seinem freiwilligen Amtsverzicht 2013 wohnte. Er war von 2005 bis 2013 Oberhaupt der katholischen Kirche und der erste deutsche Papst seit 482 Jahren. Vor seiner Wahl war er gut 23 Jahre lang Leiter der Römischen Glaubenskongregation. In seiner Amtszeit versuchte er, Glaube und Vernunft zu versöhnen, die christlich-humanistischen Wurzeln Europas wiederzubeleben und die Kirche von Skandalen zu reinigen.
Benedikt XVI. war der 265. Papst. Sein Andenken bleibt im Herzen der Kirche und der ganzen Menschheit.
Trauergäste aus Österreich
Unter den rund 130 Kardinälen bei der Totenmesse feierten aus der katholischen Kirche in Österreich unter anderem der Bischofskonferenz-Vorsitzende und Salzburger Erzbischof Franz Lackner, der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn, der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl, der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics und der Salzburger Alterzbischof Alois Kothgasser, aber etwa auch der Heiligenkreuzer Abt Maximilian Heim das Requiem auf dem Petersplatz mit. Das offizielle Österreich wurde durch Altbundespräsident Heinz Fischer vertreten.
Eine besondere Verbundenheit empfand Benedikt XVI., geborener Joseph Aloisius Ratzinger, mit vielen Menschen in Österreich. In Salzburg verbrachte er mehrere Urlaube und war in freundschaftlichen Kontakt mit manch Geistlichen aus der Erzdiözese. Bereits seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Traunstein, eine kleine Gemeinde nahe an der österreichischen Grenze, etwa 30 Kilometer von Salzburg entfernt, wo er seine christliche, menschliche und kulturelle Prägung erfuhr.
"Eine stille Freude in der Trauer"
Viele Salzburger Stimmen ertönten zur heutigen Trauerfeier im Vatikan:
Erzbischof Franz Lackner teilte in tiefer Anteilnahme folgende Worte: „Eine stille Freude in der Trauer: Papst Franziskus hat mit seinem letzten Satz der Predigt Wesen und Person des Verstorbenen wunderbar zum Ausdruck gebracht, indem er ihn Freund des Bräutigams nannte. Auf dem langen Lebensweg der Nachfolge Jesu Christi wollte Joseph Ratzinger nicht im Zentrum stehen, sondern mit seiner ganzen Geisteskraft, seinen natürlichen Gaben Hinweis auf den geben, der nach uns kommt und immer schon mitten unter uns ist. Demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn – so die ersten Worte des neu gewählten Benedikt XVI. Diese vornehme Zurückhaltung und edle Schlichtheit war heute auf dem ganzen Petersplatz spürbar. Zurück bleibt Dankbarkeit und der Wunsch, wie es Papst Franziskus sagte: ,Möge deine Freude vollkommen sein, wenn du die Stimme des Bräutigams endgültig und für immer hörst!' Vergelt‘s Gott!"
Michael Max, Rektor des päpstlichen Instituts Santa Maria dell'Anima in Rom und ehemaliger Rektor des Bildungshauses St. Virgil schilderte die Lage vor Ort: „Eigentlich wären das in Rom sehr ruhige Tage. Fast alle sind zuhause. Ein ,Jännerloch', in das dieses Jahr die Nachricht vom Tod des emeritierten Papstes platzt. Regelmäßig hatte er Pfarreien besucht und die Menschen haben ihn schätzen gelernt. Vor allem wegen der Art, mit der er das Evangelium auszulegen wusste: Einfach und tiefgehend zugleich. Vom konkreten Ereignis, vom vorgegebenen Ort, von dem, was die Menschen bewegt, immer hin zum größeren Blick auf eine gottvolle Wirklichkeit. Ihm war bewusst, dass ,il tedesco – der Deutsche' im Italienischen nicht immer gut ankommt. Aber das überwand er mit seiner persönlichen Bescheidenheit und Höflichkeit und manchmal auch einer kleinen Prise Selbstironie."
Zwei Seminaristen aus der Erzdiözese Salzburg waren bereits in Rom und berichteten von einer bewegenden Stimmung bei der Trauerfeierlichkeit trotz bescheidenem Wetter. „Ich empfinde es als große Gnade und Fügung, dass wir Seminaristen der Erzdiözese Salzburg bei der Bestattung des emeritierten Papstes Benedikt XVI. dabei sein dürfen. Auch wenn die klimatischen Bedingungen in den Morgenstunden auf dem Petersplatz noch sehr ungemütlich sind, erahnen wir doch, dass wir Zeitzeugen sehr bewegender Stunden sein werden", staunte Stefan Scheichl. Manuel Zehetner beschrieb die Stimmung am Petersplatz sowohl während als auch nach dem Requiem als sehr ergreifend und empfand den Zeitpunkt „als Papst Franziskus, trotz seiner Gehschwäche, zum Sarg ging und sich nochmal persönlich vom Papst em. Benedikt XVI verabschiedete" als besonders bewegend.
Auch zwei Salzburger Priester reisten zur Beisetzung in Rom an und teilten ihre Perspektive. So schrieb Rupert Santner, Kooperator im Tiroler Unterland in den Pfarren St. Johann und Oberndorf: „Die Demut dieses heiligen Mannes ist heute zum Ausdruck gekommen, seine Größe ist fast nicht zu heben. Es war ein bewegendes Fest, wo die ganze Kirche vereint mit ihrem Papst diesen Abschied gefeiert hat". Johannes Lackner, Kooperator von Tamsweg, Lessach und Seetal erzählte: „Die ganze Weltkirche hat sich in Rom versammelt, um von Papst Benedikt Abschied zu nehmen. Wir haben Gläubige aus fast allen Ländern der Welt getroffen, aus Amerika, Afrika, Asien und besonders viele Deutsche und Österreicher. Der Petersplatz war erfüllt von einer Stimmung der Dankbarkeit für das, was Papst Benedikt für die Erneuerung des Glaubens getan hat. Das Bewegendste war für mich, wie nach dem Begräbnis der Sarg unter dem Applaus der Menge und ,Santo Subito'-Rufen in den Petersdom getragen wurde, und dass Erzbischof Gänswein, der ihn so viele Jahre lang begleitet hat, auch auf diesem letzten Weg an seiner Seite war."
Bärbel Maresch, ehemalige Religionslehrerin in Bad Hofgastein, verfolgte zuhause gebannt die Live-Übertragung auf ORF 2 und berichtete: „Ich habe mich sehr über die Einfachheit und trotzdem Feierlichkeit gefreut. Für mich erkennbar war auch, dass politische und kirchliche Größen nicht hervorgehoben und besonders vorangestellt wurden. Es ging ja schließlich um Papst Franziskus und noch mehr um Papst em. Benedikt XVI."
Titelbild Fotocredit: Rupert Santner