„Wir gehören alle zusammen“

Gemeinsam mit Kardinal Christoph Schönborn war Markus Welte für die österreichische Kirche in Rom dabei. Im Rupertusblatt-Interview schildert er seine Eindrücke.

10.10.2021

Einmalig: Am vergangenen Wochenende startete Papst Franziskus den Synodalen Prozess für die Weltkirche. Der Salzburger Theologe Markus Welte war als einer von zwei Laienvertretern und Delegierter aus Europa mittendrin statt nur dabei. Für die Erzdiözese koordiniert er das kirchliche noch nie dagewesene Ereignis.

RB:Mit welchen Eindrücken kommen Sie aus Rom zurück?
Markus Welte: Ich komme mit einem Koffer voller intensiver Erfahrungen zurück. Sowohl der Papst als auch der Generalrelator der Synode Jean-Claude Hollerich und Organisator Kardinal Mario Grech legen ihre ganze Aufmerksamkeit und Arbeit auf das Projekt. Besonders die geleiteten Gesprächsrunden haben mich sehr beeindruckt. Der Papst will ganz praktisch vermitteln, was es heißt den anderen zu hören.

RB: Ging es um das Erlernen einer Gesprächsführung?
Welte: Ja und noch mehr: Es ist eine Art Exerzitienprozess bei dem es darum geht mit dem anderen in ein Gespräch über das eigene Leben in der Kirche zu kommen und darauf zu achten, was rührt mich an von dem, was mein Gesprächspartner mir sagt.

RB:Was will der Papst mit diesem kirchengeschichtlich einmaligen Schritt?
Welte: Der ganze Prozess basiert auf einem Grundgedanken. Er lautet: Gott hat sich aus dieser Welt nicht zurückgezogen. Er geht den Weg der Welt, der Kirche und jedes Einzelnen mit. Daher lädt uns der Papst zu einem besonderen Hören ein. Dabei soll sich jeder und jede ganz frei im Sprechen darüber fühlen.

RB:Was bedeutet Hören in diesem Zusammenhang?
Welte: Es geht um ein Hören, das davon ausgeht, dass Gott im anderen (und auch in Andersdenkenden) zu uns spricht. Karl Rahner hat das einmal so formuliert: Jeder von uns ist ein kleiner Buchstabe im Alphabet Gottes. Niemand kann eine Sprache verstehen, wenn er nur einen Buchstaben kennt. Die Kunst besteht darin, zusammenzulegen und gemeinsam zu hören. Im Hören aufeinander hören wir den Heiligen Geist.

RB:Wie hören wir auf den Heiligen Geist?Wie erfahren wir, was er von uns will?
Welte: In der Stille und im Betroffensein über das, was der andere mir sagt. Wo hat mich sein Wort berührt, wie und warum mich angesprochen? Den Heiligen Geist spüre ich, wo ich betroffen bin.

RB:Bleibt es ein Zuhör-Prozess?
Welte: Es geht um ein Zuhören, wo wir als Kirche Themen und Stimmungen aufdecken und sie für unsere Sendung nutzen. Kardinal Hollerich hat gesagt: Die Blätter sind noch leer auf denen die Ergebnisse geschrieben werden

RB: Ganz konkret: Mit wieviel Zeit und Aufwand ist für Pfarre und Diözese zu rechnen?
Welte: Es ist in erster Linie eine Reflexion dessen, was wir schon tun. Wir sollen es einfließen lassen in unsere alltägliche Arbeit in der Diözese und den Pfarren. Unsere Empfehlung ist: Leute sollen sich in Gruppen zusammenfinden, den Pfarrgemeinderat miteinbeziehen und schließlich alle die interessiert sind zu einem gemeinsamen Abend einzuladen. Dazu wird es noch eine konkrete Anleitung und Infos für den Moderator von uns geben. Auf der Website der Erzdiözese gibt es dazu einige an Material.

RB: Was heißt „auf dem Weg sein“?
Welte: Wir gehören zusammen. Jede und jeder mit seinen Bedürfnissen und Möglichkeiten. Der eine geht schneller, andere hingegen sind langsamer unterwegs. Diese Zeit will ein Verstehen dafür in jedem von uns fördern.

 

Dieser Text ist im Rupertusblatt (Nr. 41/2021) erschienen. >>> Hier können Sie unsere Wochenzeitung abonnieren.

 

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