Medienpädagogin: Handyverbot löst das Problem nicht

SALZBURG (kap) / Ein generelles Handyverbot ist keine Lösung für die Herausforderungen, die Smartphones im Alltag und in zwischenmenschlichen Beziehungen mit sich bringen: Das hat die Medienpädagogin Sonja Gabriel im Vorfeld der Tagung "KI und unser Familienleben - vernetzt und verbunden", die am 11. April in St. Virgil Salzburg vom Katholischen Familienverband organisiert wird, betont. "Sperrt man das Handy aus der Schule, verlagert das das Problem nur. Es verschwindet nicht aus der Gesellschaft", merkte die Hochschulprofessorin für Mediendidaktik und Medienpädagogik an der Katholischen Pädagogischen Hochschule Wien im Interview mit dem Salzburger "Rupertusblatt" (Nr. 14/2025) an. Nötig sei ein bewusster Umgang mit Smartphones und Technologien - im Elternhaus wie in der Schule, so Gabriel.
"Medienkompetenz hat man nicht einfach, man muss sie entwickeln wie jede andere Kompetenz", merkte Gabriel an. Hier seien die Eltern in ihrer Vorbildwirkung gefragt. So brauche es etwa medienfreie Familienzeiten ohne Smartphone oder Fernseher für Kinder wie Eltern: "Kinder sollten den richtigen Umgang schon im Elternhaus lernen. Man würde ja auch kein Kind auf eine vielbefahrene Straße lassen, damit es seine Erfahrungen alleine machen kann. Darum sage ich: thematisieren, aufklären, so früh wie möglich."
Smartphones würden Beziehungen aufgrund der ständigen Verfügbarkeit verändern, erklärte die Medienpädagogin. Einerseits ermögliche die digitale Vernetzung einen einfacheren Kontakt, insbesondere zwischen räumlich getrennten Familienmitgliedern. Andererseits habe sich das bewusste Wahrnehmen des Gegenübers in der realen Begegnung stark verändert. "Das Smartphone soll nicht zum Stressfaktor werden", so Gabriel
Wichtig sei Resilienz und Wissen, wo man beschränkende Einstellungen am Smartphone findet. Zudem müsse das Gegenüber akzeptieren, dass man nicht immer sofort antwortet. An dieser Erwartungshaltung müsse gearbeitet werden, betonte Gabriel.
Kritik an Smart Toys
Besonders kritisch sieht Gabriel den Einsatz von "Smart Toys", also digitalem Spielzeug, im Kinderzimmer. "Einerseits ist es für Kinder spannend, wenn Spielzeug interagiert. Aber es geht Fantasie verloren, wenn man sich Rollenspiele nicht selbst überlegen muss", erläuterte sie. Zudem seien interaktive Spielzeuge wie digitale Sprachassistenten - Alexa oder Siri - ans Internet gekoppelt und ständig auf Empfang. "Die Daten werden an Firmen übermittelt, die oft nicht aus der EU kommen und nicht der Datenschutz-Grundverordnung unterliegen", warnte die Expertin.
Kritisch sah Gabriel alle Medien, die für Unter-Zehnjährige unbegleitet verfügbar seien, da Kinder Zugang zu nicht altersadäquaten Inhalten erhalten könnten. "Ich glaube, das ist vielen Eltern nicht bewusst." Auch der Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf die Medienwelt - etwa durch KI-generierte Inhalte - müsse mit Kindern besprochen werden, merkte die Expertin an. Dazu gehöre das kritische Hinterfragen von Medieninhalten genauso wie kritisches, konstruktives Denken, um sich eine eigene Meinung zu bilden. "Das ist wichtiger denn je", betonte Gabriel
Der verantwortungsvolle Umgang mit neuen Technologien steht auch im Fokus des aktuellen Gebetsanliegens von Papst Franziskus. Die Tagung des katholischen Familienverbands "KI und unser Familienleben - vernetzt und verbunden" findet am 11. April im Salzburger Bildungshaus St. Virgil Salzburg statt. (Infos und Anmeldung: www.familie.at/site/salzburg)