9. Kardinal König Kunstpreis vergeben

Erzbischof Lackner überreichte Michèle Pagel den mit 11.000 Euro dotierten Preis.

24.01.2022

SALZBURG (eds/kkk) In einem feierlichen Festakt überreichte Erzbischof Franz Lackner gestern Abend in St. Virgil Salzburg den Kardinal König Kunstpreis 2021 an die Bildhauerin Michèle Pagel. Neben den weiteren nominierten Künstlerinnen und Künstlern waren Kunstexpertinnen und Kunstexperten sowie Kunstinteressierte der Einladung zur coronabedingt verschobenen Verleihung gefolgt, darunter zahlreiche Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft.

„Beeindruckt“ vom Werk Pagels zeigte sich der Salzburger Erzbischof Franz Lackner. Der Anblick des prämierten Kunstwerkes habe bei ihm eine Besinnung angestoßen: „Wie vernehme ich das Schöne? Wie denke ich die Wirklichkeit?“, fragte der promovierte Philosoph, der als Vorsitzender des Kuratoriums den Kardinal König Kunstpreis anschließend der Künstlerin Michèle Pagel überreichte.

„Allein hätte ich das nicht geschafft.“ Die ausgezeichnete Künstlerin Michèle Pagel dankte in ihrer Rede ihren Wegbegleiterinnen und -begleitern und verwies auch auf das „große Spektrum ernsthafter künstlerischer Auseinandersetzung“ und die „fundierten Arbeiten“ aller nominierten Künstlerinnen und Künstler. „Kulturarbeit ist kein Ehrenamt“, merkte Pagel kritisch an und sprach ihre Solidarität den „unterbezahlten Kulturarbeiterinnen und Kulturarbeitern“ aus.

Kunst und Kirche begegnen sich auf Augenhöhe

Seitens des Kuratoriums des Kardinal König Kunstfonds sagte Michael Max in seiner per Video übermittelten Grußbotschaft: „Selbstverständlichkeiten sind in den letzten beiden Jahren für uns alle, in unserer Gesellschaft, in unserer Welt, brüchig geworden. Kunst und Kirche können Wegweiser, Wegbegleiterinnen für beides sein – für den Weg in die Zukunft und für den Weg in die eigene Mitte.“ Es sei „aktueller denn je, Kunst und Kirche, einander begegnen zu lassen – auf Augenhöhe, zeitgemäß, und nicht selbstverständlich“, betont der in Rom lebende Anima-Rektor. „Der diesjährige Kardinal König Kunstpreis und im Besonderen das Siegerkunstwerk sind wichtiger denn je.“
In ihrer literarischen Rede befragte die Schriftstellerin Teresa Präauer trickreich und amüsant das Verhältnis von bildender Kunst, Text und Vermittlung: „Ich möchte selten abgeholt werden. Schon gar nicht möchte ich dort abgeholt werden, wo ich angeblich bin oder zu sein habe.“

Beeindruckender Querschnitt durch die aktuelle Kunstszene

„Der Kardinal König Kunstpreis zeichnet sich nicht nur durch das hohe Preisgeld von € 11.000.- aus, sondern auch dadurch, dass neben der Preisträgerin alle nominierten Künstlerinnen und Künstler gewürdigt werden – in einem Festakt, in den Videoportraits, im Katalog, in den digitalen Medien und in einer Ausstellung.“ Daran erinnert Antonia Gobiet, die Kuratorin und Geschäftsführerin des Kardinal König Kunstpreises. Diesen zu kuratieren, sei jedes Mal ein „Highlight, weil die ausgestellten Arbeiten einen beeindruckenden Querschnitt durch die aktuelle Kunstszene geben“, sagt Gobiet. „Es zeigt sich in dieser Zusammenschau, welche Themen und bildsprachlichen Vorgangsweisen die jungen Künstlerinnen und Künstler heute beschäftigen und in welches Umfeld die preisgekrönte Arbeit eingebettet ist.“

Noch bis 28. Jänner ist die Ausstellung mit Werken der 20 nominierten Künstlerinnen und Künstler zu sehen. Einen virtuellen Rundgang durch die Ausstellung sowie Videoportraits der Nominierten gibt es unter www.kardinalkoenig-kunstpreis.at.

Das prämierte Kunstwerk „zeigt Spektrum menschlicher Eigenschaften“

„Das Glück ist ein Vogerl“ ist der Titel der Reihe von installativen Objekten, aus der die prämierte Arbeit „Crrreature of Habit“ stammt. Angelehnt an den landläufigen Sinnspruch enthält die Serie mehrere allegorische Vogelplastiken, die auf Alltagsgegenständen ruhen. So auch der prächtige Pfau, der hinter einem Gittertor sitzt und hinter sich in einen Spiegel blickt. Dort, im Spiegel, trifft sein Blick jenen des Betrachters oder der Betrachterin. Der Pfau mit seinem eingezogenen, herabhängenden Gefieder ist aus sieben unterschiedlich glasierten Ziegelsteinen zusammengesetzt, die im Rohzustand geschnitzt und nach dem Rohbrand glasiert wurden.

„Es sind alltäglich erfahrbare gesellschaftliche Beobachtungen und Widersprüche, die Michèle Pagel ihrerseits zum Widerspruch reizen“, sagt Jury-Mitglied Rainer Fuchs, Chefkurator im Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig (mumok). „Das ungeschliffen Grobe und brutalistisch Rohe, das vielen ihrer Arbeiten anhaftet, bildet einen harten Kontrast zu unserer perfekten, technologisierten Realität, die sich ganz dem Konsum und dem neoliberalen Gewinnstreben mit ihren cleanen, durchgestylten Waren verschrieben hat“, so Fuchs. „Dass technischer Fortschritt, Digitalisierung und materieller Reichtum nicht von vornherein eine bessere Welt garantieren, sondern auch mit geistiger Verarmung einhergehen können, ist ebenfalls ein Grundtenor ihrer Arbeit. Vögel aus ziegelartiger Keramik oder anthropomorphe florale Gebilde beleuchten metaphorisch ein Spektrum menschlicher Eigenschaften, das von blinder Eitelkeit und Luxussucht über Geschlechterhierarchien bis zu häuslicher Gewalt reicht“, zeigt sich Fuchs überzeugt.

Die Preisträgerin

Michèle Pagel, geboren 1985, studierte Bildende Kunst in Leipzig, Mailand und Wien und diplomierte 2012 bei Julian Göthe an der Akademie der bildenden Künste Wien. Ihre Werke sind europaweit in Gruppen- und Einzelausstellungen zu sehen, unter anderem im Österreichischen Kulturforum Moskau, im MUSA Wien und in der Galerie Meyer Kainer. Michèle Pagel lebt und arbeitet in Wien.

Über den Kardinal König Kunstpreis

Der biennal vergebene Preis des Kardinal König Kunstfonds der Erzdiözese Salzburg ist für junge in Österreich oder Südtirol lebende Künstler/innen unter 40 Jahren vorgesehen. Er wurde 2004 auf Initiative von Prälat Dr. Johannes Neuhardt in Salzburg ins Leben gerufen und zum 100. Geburtstag von Franz Kardinal König am 3. August 2005 erstmals vergeben. Der Kardinal König Kunstpreis ist mit 11.000 Euro dotiert.

Weitere Infos: www.kardinalkoenig-kunstpreis.at 
 

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