50 Jahre Diözesanpartnerschaft

SALZBURG (eds-19. 8. 2018) / Seit 50 Jahren pflegt die Erzdiözese Salzburg Partnerschaften mit drei Diözesen auf drei Kontinenten – mit den Diözesen Daegu (Südkorea), San Ignacio de Velasco (Bolivien) und Bokungu-Ikela (Demokratische Republik Kongo). Die Initialzündung dazu erfolgte bei der Diözesansynode des Jahres 1968, bei der auf ortskirchlicher Ebene die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils umgesetzt werden sollten. Erzbischof Franz Lackner bezeichnet es als „Glück“ und „weitsichtig", den Impuls des Konzils hin zu einer „Lerngemeinschaft“ Weltkirche erfolgreich umgesetzt zu haben. „In Zeiten der Globalisierung ist es gut, Partner zu haben." Bei den seit fünf Jahrzehnten gepflegten Kontakten gehe es nicht nur um materielle Zuwendungen für die Kirche im „Süden", sondern um ein „Teilhaben am Leben und Glauben des anderen", erklärt Erzbischof Lackner: „Und das gilt bis heute; mit unseren Partnerdiözesen können wir Weltkirche exemplarisch (er)leben." Lackner verweist auf vielfältige Anknüpfungspunkte wie Jugendbegegnungen zwischen Salzburg und Daegu, auf Brückenschläge in den Bereichen Musik und Schule sowie auf hierzulande studierende Priester aus Südkorea und Kongo. Dieses weltkirchliche Bewusstsein gelte es zu vertiefen, so der Erzbischof.
Das dreitägige "Zukunftsfest" der Erzdiözese Salzburg vom 21. bis 24. September startet am ersten Abend mit dem „Festakt 50 Jahre weltkirchliche Diözesanpartnerschaften" im Borromäum, an dem auch Bischöfe und Delegationen aus den drei Partnerdiözesen erwartet werden. Festredner wird Kurienerzbischof Giovanni Pietro Dal Toso von der Vatikan-Kongregation für die Evangelisierung der Völker sein.
Das Rupertusblatt (<link http: www.kirchen.net rupertusblatt _blank>www.kirchen.net/rupertusblatt) nützt das anstehende Jubiläum zu einem intensiveren Blick auf die weltkirchlichen Diözesanpartnerschaften. Den Anfang macht ein Doppelinterview mit Prälat Egon Katinsky und dem Salzburger Weltkirche-Referenten Markus Roßkopf.
„Als lernende Kirche wachsen“
Partnerschaft sei kein Einheitsbrei, sondern Begegnung auf Augenhöhe. Und: „Eine christliche Gemeinde ohne Weltkirche gibt es nicht.“ Das betonte Prälat Egon Katinsky beim Gespräch über 50 Jahre Diözesanpartnerschaften. Er war Teilnehmer bei der Diözesansynode 1968 aus der die partnerschaftlichen Beziehungen zu Daegu in Südkorea, Bokungu-Ikela in der Dem. Republik Kongo und San Ignacio de Velasco in Bolivien hervorgingen. Gemeinsam mit dem jetzigen Weltkirche-Referenten in der Erzdiözese, Markus Roßkopf, spricht Katinsky im auch über die Zukunft der Diözesanpartnerschaft.
RB: Vor 50 Jahren fand in Salzburg die Diözesansynode statt. Hier fiel die Entscheidung für die Salzburger Partnerdiözesen. Was war das für eine Zeit, welche Atmosphäre herrschte nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil?
Egon Katinsky: Erzbischof Andreas Rohracher kam mit einem neuen Kirchenverständnis vom Zweiten Vatikanischen Konzil zurück. Vorher betonte er sehr, dass er der Fürsterzbischof sei. Doch das Konzil hat ihn verwandelt. Er hatte Weltkirche geschnuppert; dadurch ist er viel weiter und offener geworden. Und es war sein Stolz, dass in Salzburg die erste Diözesansynode im deutschsprachigen Raum nach dem Konzil stattfand. Allen war klar, es braucht einen Wandel im Denken und der Gedanke der Partnerschaft war nicht schwer durchzubringen.
Eine zentrale Person war Rudolf Kranewitter. Er trat 1953 ins Salzburger Priesterseminar ein. In Belgien lernte er die Priestergemeinschaft SAM (Societas auxiliarium missionum) kennen. SAM verstand unter Missionsarbeit nicht mehr, dass die reiche Kirche der armen Kirche Almosen gibt, sondern dass wir in der einen Weltkirche miteinander teilen sollten. Diesen Gedanken von Partnerschaft wollte Kranewitter auch in Salzburg verwirklichen.
Markus Roßkopf: Beeindruckend war die Weitsichtigkeit damals, die vor allem an drei Punkten festgemacht wurde: Weltkirche mit den Gemeinden vor Ort verbinden; in die Welt hinausschauen und drei Ortskirchen auf drei Kontinenten auswählen und dem Ganzen ein finanzielles Fundament geben.
RB: Daegu in Südkorea, Bokungu-Ikela in der Dem. Republik Kongo und San Ignacio de Velasco in Bolivien. Wie kam es zur Auswahl gerade dieser drei Diözesen?
Katinsky: Daegu kam über Kranewitter zustande. Das Land war damals überhaupt nicht in unserem Bewusstsein und nach dem Krieg (1950 – 1953) am Boden. Später ging dann noch Emma Freisinger aus Ebbs nach Daegu und widmete sich den Leprakranken. Bokungu-Ikela ist eine Diözese, in der seit den 50er Jahren die Herz-Jesu-Missionare aus Liefering tätig sind. Die Diözese San Ignacio de Velasco in Bolivien prägten schon lange die Franziskaner der Tiroler Provinz und die Halleiner Schulschwestern. Und so hat es sich einfach angeboten, über diese Schienen die Beziehungen zu den Partnerdiözesen zu verwirklichen.
RB: Wie war das Verständnis von von Weltkirche damals und wie hat es sich gewandelt?
Katinsky: Die Zeit war einfach reif für ein anderes Verständnis von Missionsarbeit. Die Reichen tun etwas für die Armen – dieser Gundsatz sollte durch einen anderen ersetzt werden: Wir stehen uns auf Augenhöhe gegenüber. Das ist der Gedanke von weltkirchlicher Partnerschaft. Wobei es immer eine Einheit in der Verschiedenheit sein soll und kein Einheitsbrei.
RB: Was bedeutet der Begriff Partnerschaft heute?
Roßkopf: Partnerschaft ist natürlich ein sehr großes und auch idealistisches Wort. In einer Partnerschaft hängt vieles mit Be-ziehungen zusammen. Eine Diözesanpartnerschaft ist eine institutionalisierte Beziehung und um die zu leben, braucht es Personen, die miteinander in Verbindung und im Gespräch sind. Das ist gar nicht so einfach über die Kilometer und die unterschiedlichen Kulturkreise hinweg. Eine echte Partnerschaft zu erreichen ist sehr schwierig. Ich sehe die Diözesanpartnerschaft aber als Antrieb, exemplarisch Weltkirche mit anderen Ortskirchen über eine bestimmte Zeit hinweg zu leben. Damit das über Grenzen hinweg gelingt, müssen wir lernen interkulturell zu denken und zu handeln. Die kulturellen Grenzen, andere Wertigkeiten oder Codes sind nicht zu unterschätzen. Da haben wir noch einiges an Nachholbedarf. Diözesanpartnerschaft heißt für mich auch, voneinander zu lernen.
RB: Wie gelingt das am Besten?
Roßkopf: Dafür brauchen wir die interkulturellen Fähigkeiten. Zueinander Vertrauen haben und gut miteinander kommunizieren sind die Pfeiler, auf denen sich aufbauen lässt – das läuft momentan gut in allen drei Diözesanpartnerschaften. Wenn ich von Weltkirche spreche betone ich auch immer die Glaubens-, Solidar- und Lerngemeinschaft. Für mich drückt die Lerngemeinschaft am ehesten die Vorstellung von Partnerschaft aus. Wir sollten uns noch mehr als lernende Kirche verstehen.
RB: Wie sehen Sie die Zukunft der Diözesesanpartnerschaften? Was braucht es damit die Beziehungen lebendig bleiben?
Katinsky: Es hängt viel von Persönlichkeiten ab, von den Menschen, die für diesen Gedanken brennen und denen dieses Verständnis von Weltkirche ein Anliegen ist. Als die Pfarrgemeinderäte gegründet wurden, gab es die Vorstellung, dass in jeder Gemeinde ein Ausschuss für Weltkirche arbeitet. Das ist noch immer ausbaufähig. Insgesamt bin ich voller Zuversicht. Ich glaube, dass es gut weitergehen wird. Der Austausch mit der Jugend ist ein neuer Zugang zur Partnerschaft, der am Anfang so noch nicht möglich war. Anmerkung: Seit einigen Jahren kommt es zu gegenseitigen Besuchen von Jugendgruppen aus Daegu und Salzburg. Im Juli waren wieder junge Leute aus der Erzdiözese in Südkorea.
Roßkopf: Ohne persönliche Kontakte ist Weltkirche sehr abstrakt. Weltkirche ist nur durch Gesichter und Begegnungen konkret. Klar ist, dass eine Diözesanpartnerschaft wie jede Partnerschaft Beziehungsarbeit bedeutet. Wie schon angesprochen sind die Jugendbegegnungen neue Chancen, genauso wie die Priester aus Daegu und Bokungu-Ikela, die in Salzburg studieren. Impulse können auch vom Jubiläum im September kommen. Wir erwarten die Bischöfe und Delegationen aus allen drei Partnerdiözesen in Salzburg. Das ist eine gute Möglichkeit miteinander zu sprechen, Vorstellungen zu teilen und zu schauen was so eine Lerngemeinschaft in den vier Ortskirchen, auf vier verschiedenen Kontinenten, bewirken könnte. Letztendlich geht es ja darum, im Glauben zu wachsen. Mit den Gästen aus San Ignacio ist zum Beispiel ein Treffen mit Pfarrassistenten vorgesehen. In Bolivien leiten oft Katecheten die Gemeinden. Das Gespräch soll aufzeigen: Wie ist es bei euch, wie bei uns?
Foto: Weltkirche-Referent Markus Roßkopf mit Prälat Egon Katinsky (r.). Der ehemalige Pfarrer von Salzburg-Taxham (hier war das Koreazentrum beheimatet) war Teilnehmer bei der Diözesansynode 1968. Dreimal war Katinsky in Korea: 1976, 2002 und 2011.
Fotos: Erzdiözese Salzburg