Evangelienkommentar 26. Sonntag im Jahreskreis (Mk 9, 38–43.45.47–48)

(rb–26.9.2021) Der Kommentar zum heutigen Evangelium kommt von Anton Angerer, Diakon in Stumm im Zillertal.

Über den Zaun schauen

Was die Jünger nach ihren Erfahrungen beschäftigt, ist der Unterschied zwischen ihnen und „den Anderen“, die im Namen Jesu Dämonen austreiben. Für sie steht fest: Sie haben kein Recht dazu. Jesus weist sie zurecht. Ihrer exklusiven Einstellung setzt er Toleranz entgegen, „… denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.“ Jesus glaubt an das Gute im Menschen. Er geht davon aus, dass der, der in seinem Namen auftritt, den betroffenen Menschen heilen möchte.

Das Heil jedes einzelnen Menschen ist ihm so wichtig, dass dafür alles getan werden muss. Diese Einstellung Jesu zeigt sich aber auch in seiner Forderung: „Wer einen von diesen Kleinen zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde.“ Diese Härte zeigt, wie wichtig Jesus die Kleinen und Hilfsbedürftigen sind.

Diese hart klingende Botschaft betrifft jeden von uns. Es ist zwar schwer nachvollziehbar, wenn Jesus davon spricht, einzelne Körperteile zu entfernen, um nicht zum Bösen verleitet zu werden. Dahinter steht eine sehr konkrete jüdische Vorstellung: demnach werden alle menschlichen Handlungen von den Organen bestimmt. Für uns heute ist diese Aufforderung, z. B. eine Hand abzuhacken, natürlich nicht praktizierbar, doch es geht um die Konsequenz der Nachfolge. Wer Jesus nachfolgen will, muss opferbereit sein, damit er sein Heil erreichen kann.

Früher galt der Grundsatz: „Außerhalb der Kirche kein Heil.“ Doch das Zweite Vatikanische Konzil erklärt: „Wenn der Mensch nach bestem Wissen und Gewissen handelt, wird er das Ziel erlangen.

Jesus hat immer auch über den Zaun geschaut und bei Nachbarn anerkannt, was gut war. Diese Weitsicht verträgt sich nicht mit Fanatismus und Fundamentalismus. In jedem Menschen und in jeder Handlung steckt meistens ein Körnchen Gutes, das entdeckt werden will. Wer diese Körnchen übernimmt, baut eine Brücke zum Anderen, gleichgültig, zu welchem Lager er gehört. Viele Dienste, die von Außenstehenden oder Nicht-Christen an Menschen in Not geleistet werden, verbergen sich hinter dem „Becher Wasser“, von dem Jesus gesprochen hat. Sie verdienen unsere Anerkennung und unseren Respekt. 

Dieser Text ist im Rupertusblatt (Nr. 38/2021) erschienen. >>> Hier können Sie unsere Wochenzeitung abonnieren.

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