Oshowski Andreas Weihnachten – alles Mist – im eigenen Stall?
Wirklichkeit annehmen.
Stallgeruch! Mist! Körperliche Arbeit! Klirrende Kälte! Billigwein unter Straßenbrücken. Ochs und Esel. Ausmisten! Welch Gegensatz zu Weihnachtsmärkten, Glühweinpower, Leuchtreklamen, Kerzenduft, Gänsekeule, Weihnachtsmann in Alupapier!
Dass alle eins sind,Die Bibel (Johannes-Evangelium, 17,21)
heißt nicht, dass Christen sich in Harmonie ersticken sollen. Die Hirten werden aufgefordert, ihre Herden zu verlassen. Aufbruch! “Hirten, nun verlasst die Herden, stimmt ins Lob der Engel ein… - Kommt ein König, dass die Fremde so von Jubel ist erfüllt. Gloria in excelsis Deo!“ Die Verheißung der Menschwerdung Gottes meint nicht zuletzt die oder den Anderen. Die Freude Gottes ist die/der jeweils Andere. Ist unsere Freude auch das Fremde bzw. die Andere? Wie oft wollen wir das liturgisch noch prominent ignorieren.
Jesus hörte es und sagte zu ihnen: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.Die Bibel (Markus-Evangelium, 2,17)
Den selbstdeklarierten Frommen ist die Inkarnation ein Graus, menschliche Flüssigkeiten, Scheitern, markige Worte, Derbheit, Unbehagen, Streitkultur, Zurückweisung, Unsicherheit, Überforderung, Erschöpfung, Tiermist und Stallgeruch! Christentum „der dreckigen Hände“!1 Dreckiges Christentum, Gott sei Dank! Mach’s wie Gott, werde Mensch, nimm Wirklichkeit an, damit Du Dich selbst annehmen kannst. Wer sich selbst nicht riechen kann, der stinkt auch dem Anderen. Frohe Inkarnation!
Der Gedanke, der mich heute bewegt
Du bist nicht mein, wenn Du nicht Deiner selbst bist! (vgl. C.G.Jung) Selten war ein Satz so wahr! Überprüfen Sie das an Weihnachten im eigenen Stall. Bis zum nächsten Ever-Changing-Mission am 09. Jänner werden Sie keine abschließende Antwort finden… Guten Rutsch!
1 Beck, Wolfgang (2024), Sprung in den Staub, Elemente einer risikofreudigen Praxis christlichen Lebens, Grünewald-Verlag Ostfildern, S.112

