Oshowski Andreas Im Grunde gut…?
Die Zerbrechlichkeit des Glaubens im Spiegel der Geschichte.
Zum Geburtstag habe ich ein Buch mit dem Titel geschenkt bekommen „Im Grunde gut…- Eine neue Geschichte der Menschheit“1. Beste Adventlektüre möchte man meinen, da flimmert über die öffentlich-rechtlichen Nachrichten eine Meldung aus Bosnien herein.2 Die Stadt Sarajevo liegt in einem Talkessel. Scharfschützen haben während des Bosnienkrieges von den umliegenden Hügeln ca. 500 Kinder in der Stadt Sarajevo auf offener Straße erschossen. Das ist nicht neu! Neu dagegen war für mich, dass westeuropäische Touristen Wochenendausflüge nach Sarajevo gemacht haben, um an der Erschießung und Menschenjagd mitzuwirken. Kinderhinrichtung einer Überflussgesellschaft! -
Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien. Sie erwiderten ihm: Wir sind Nachkommen Abrahams und sind noch nie Sklaven gewesen. Wie kannst du sagen: Ihr werdet frei werden?Die Bibel (Johannes-Evangelium, 8,32ff)
Unweigerlich trifft das Wort Jesu provozierend die selbstbewusst in der Tradition Gefestigten in ihrem Stolz. Und nicht zufällig beginnt das achte Kapitel des Johannes-Evangeliums mit dem Satz
Jesus aber ging zum Ölberg.Die Bibel (Johannes-Evangelium, 8,1)
Ein Hinweis auf den Tod und vielleicht auf ein mögliches Gericht. „Gott kann bei den leidenden Menschen keine Glaubwürdigkeit erringen. Im Gericht wird Gott gewissermaßen um das Vertrauen aller Menschen kämpfen müssen.“3 Diesseits jener Erkenntnis ist Pastoral, Verkündigung und Theologie kaum mehr möglich.
Der Gedanke, der mich heute bewegt
„Im Grund gut“? – „Glaube als Vertrauen … nimmt ihm [dem Glauben] seine Irritationsfunktion“4
1 Rutger Bregman, Im Grunde gut, Eine neue Geschichte der Menschheit, Rowohlt-Verlag Hamburg 2021
2 Heute-Journal, 18.11.2025, Minute 18:38 bis 22:58 (so präzise, weil ich es selbst kaum glauben kann)
3 Ottmar Fuchs, Der zerrissene Gott, Grünewald-Verlag 2014, Seite 189
4 Wolfgang Beck, Ohne Geländer, Pastoraltheologische Fundierung einer Risikofreudigen Ekklesiologie, Grünewald-Verlag, S. 36

