Damit Kirche trotz mancher Enttäuschung Zukunft hat

Erzbischof Franz Lackner präsentierte die Ergebnisse des Synodalen Prozesses der Erzdiözese.

v.l.: Simon Weyringer, Kerstin Altenberger, Erzbischof Franz Lackner, Birgit Bahtic-Kunrath, Markus Welte.

12.04.2022

SALZBURG (eds) / „Dieser Prozess war für mich wie ein Wake-up-Call, weil wir endlich wieder darüber nachdenken, was das Wesen der Kirche ist“, sagte Erzbischof Franz Lackner.  Er präsentierte heute Vormittag bei einer Pressekonferenz mit Vertreterinnen und Vertretern der Salzburger Kirche die Ergebnisse des Synodalen Prozesses in der Erzdiözese. Der Salzburger Oberhirte hatte ein halbes Jahr zuvor bei den Katholikinnen und Katholiken seiner Diözese darum geworben, sich an einem Prozess zu beteiligen, der einzigartig in der Geschichte der Kirche ist: Papst Franziskus hatte gebeten, alle interessierten Menschen sollten über ihre Beziehung zur Kirche nachdenken und darüber ins Gespräch kommen. Nach einer breit angelegten Beratungsphase liegt nun die Zusammenschau der Ergebnisse über die diözesane Phase des Synodalen Prozesses vor. In einem nächsten Schritt geht das diözesane Abschlussdokument – auch Synthese genannt – auf die nationale Ebene der Bischofskonferenz. „Diese Synthese versteht sich als Zufluss zum großen und weiten Strom des Glaubens“, erklärt Lackner und ergänzt: „Wir allein können keine letztgültigen Antworten hervorbringen. Wir brauchen die Zusammenschau mit den anderen Diözesen, mit der Kirche auf der ganzen Welt. Wir sind und bleiben ergänzungsbedürftig. Gleichzeitig hoffen wir, dass einige Aspekte sich im weiteren Prozess auf weltkirchlicher Ebene als anschlussfähig erweisen.“

Ziel des Zuhör-Prozesses war unter anderem ein neuer Umgangsstil in der Kirche. Es gehe nicht nur darum eine Befragung zu starten, sondern wirklich aufeinander zu hören: „Als Erzdiözese versuchten wir, uns in ein besonderes Hören einzuüben: ein Hören, das davon ausgeht, dass Gott uns durch jeden Menschen etwas zu sagen hat“, erklärte Markus Welte, der Gesamtkoordinator des Synodalen Prozesses in der Erzdiözese Salzburg.

Prozess der Vielfalt und der Gegensätzlichkeit

„Unser Ziel war von Anfang an, den Prozess in der Erzdiözese breit anzulegen und alle einzuladen, sich zu beteiligen: Kinder, junge Menschen und Erwachsene, ganz gleich ob sie sich der Kirche nahe fühlen oder nicht“, ergänzt Welte.

Knapp sechs Monate von Oktober 2021 bis März 2022 hatten Menschen in unterschiedlichen Formaten Gelegenheit, sich Gehör zu verschaffen. Mehr als 3.200 Frauen und Männer beteiligten sich.

Bei den Gesprächsformaten erzählten Einzelne und Gruppen von ihrem Glauben, was sie bewegt, was sie freut und besorgt. Außerdem sollten Christinnen und Christen herausfinden, wie sie – bei aller Unterschiedlichkeit – aufeinander hören, Gemeinschaft leben und Menschen in der Kirche eine Heimat geben können. Ob Kinder, Frauen, Männer, Laien, Geweihte, Familien, Ordensleute, Enttäuschte, Engagierte, Menschen mit Behinderung, Geflohene, Bedürftige, beim Nachdenken und Darüber-Reden sollten sie darstellen, wie Kirche sein muss, damit sich alle beteiligen können.

Die Vielstimmigkeit der Kirche in Salzburg war eine große Überraschung: Birgit Bahtić-Kunrath, wissenschaftliche Begleiterin und Mitglied des Redaktionsteams, berichtete bei der Pressekonferenz von unterschiedlichsten Zugängen zum Glauben, dem Wunsch nach Aufbruch und Veränderung und auch Stimmen, für die katholische Traditionen Heimat und Verwurzelung bieten und für die die katholische Kirche einzigartig ist. Die Wissenschafterin sagte: „Viele junge Menschen äußerten ihren Wunsch nach Halt, Beheimatung und Unterstützung in der Kirche. Vor allem Jugendliche wünschen sich aber auch eine offene Kirche, in der alle, die wollen, Platz haben.“

Ebenso am Podium vertreten war Kerstin Altenberger, Sprachrohr der Jugend, die beim Prozess mitgemacht hat. „Wir sind die Zukunft der Kirche“, bekräftigte sie. Die Ideen und Themen, die junge Menschen einbringen seien vielfältig und bunt, sowie auch die Themen aller Menschen in der Kirche. „Jede und jeder leistet einen wertvollen Beitrag. Unsere Kirche ist vielfältig, kann aber noch vielfältiger werden, wenn wir es zulassen und aufeinander hören“, hob sie die Möglichkeiten aber auch die Hausaufgaben der katholischen Kirche hervor.

Außerdem seien „die Pfarren für viele noch immer der Kern der christlichen Weggemeinschaft, Orte der Verwurzelung und Heimat: ‚Small is beautiful‘, auch mit Blick auf die Strukturen der katholischen Kirche.“ Die Frage, die sich stelle: Wie können solche kleinen Strukturen in Zukunft bewahrt werden und welchen Veränderungen sind sie ausgesetzt, um zukunftsfähig zu bleiben. Auch wurden Fragen nach der Weihe von Frauen, dem Zölibat und gesellschaftspolitisch „heiße Eisen“ thematisiert.

Was sind die Ergebnisse?

Angesichts einer großen Vielfalt an Positionen und Lebenswelten innerhalb der Kirche stellte sich die Frage, wie  trotz dieser Unterschiede ein gemeinsamer Weg möglich sei? „Dafür sollte uns der Synodale Prozess stärken“, sagte Simon Weyringer, Mitglied des Redaktionsteams zur Erstellung des diözesanen Enddokuments. „Wir haben eine Haltung des Zuhörens eingeübt und dabei entdeckt, dass wir trotz mancher Resignation oder Enttäuschung eine große Hoffnung mit der Kirche verbinden“, ergänzte der Geistliche. Um die Berufung der Kirche heute umsetzen zu können, gebe es  unterschiedliche, teils auch spannungsvolle Perspektiven oder Lösungsansätze. „Einige Lösungsansätze beziehen sich auf strukturelle Fragen der Organisation von Kirche und Leitung“, so Weyringer.  Viele wünschen sich die Ausweitung des Priestertums auf verheiratete Männer und Frauen. Unabhängig davon erwarten sie eine stärkere Einbeziehung von Laien, besonders von Frauen, in Führungspositionen, wie es in der Erzdiözese in Salzburg bereits praktiziert und auch in der Kurie in Rom angestrebt wird. Ein weiteres strukturelles Thema ist der Erhalt der Pfarren. Dieses ist mit großen Emotionen und der Befürchtung verbunden, in einem unüberschaubaren Pfarrverband unterzugehen.

Ein zweiter Themenkreis lässt sich unter dem Stichwort „glaubwürdig das Evangelium bezeugen“ zusammenfassen: Viele wünschen sich mehr Transparenz in Bezug auf personale Entscheidungen oder Missbrauch“, erklärte Weyringer. Schließlich gebe es auch den Wunsch nach einer geistigen Reform der Kirche: „Viele Befragte wünschen sich eine Rückbesinnung auf Gott, auf das Wort Gottes in der Heiligen Schrift, auf die Tradition, das Gebet und die Sakramente. Wenn die Kirche nichts mehr über Gott zu sagen hat, dann wird ihre Verkündigung leer.“

So geht es weiter

Die Ergebnisse werden nun in einem Abschlussdokument in der Bischofskonferenz mit anderen Diözesen verknüpft und danach nach Rom zur Vorbereitung der Bischofsynode 2023 gesandt. Einige Aspekte und Ergebnisse des Prozesses werden die Erzdiözese in den nächsten Monaten und Jahren besonders beschäftigen. „Als Kirche wollen wir vor Ort den Menschen Heimat bieten und Gott erfahrbar machen, darin liegt ein Schwerpunkt“, erklärt Erzbischof Lackner am Ende der Pressekonferenz.

Das Schlussdokument (Synthese) finden Sie hier.

Auf www.eds.at/synodale-kirche finden Interessierte Fragebögen, Dokumente und Hilfestellungen sowie Kontakte zur Koordinationsstelle des Projekts.

 

Wichtige Begriffe zum Verständnis

Synodale Kirche meint die Art und Weise, wie Menschen den Glauben der Kirche leben: Gemeinsam unterwegs, als „Anhänger des Weges Jesu“, sind sie bereit. Die Kirche bespricht ihre Aufgaben und ihre Themen gemeinsam.

Synode kommt aus dem Griechischen und bedeutet „gemeinsam gehen“. Die Gläubigen gehen als Kirche gemeinsam in der Spur Jesu. Im engeren Sinn ist eine Synode eine kirchliche Versammlung, insbesondere zur Beratung der Bischöfe und des Papstes.

Zuhören ist das Prinzip, nach dem der Prozess gestaltet wird. Mit einem angeleiteten Gesprächsformat sollen alle ins Gespräch kommen. Um wirklich als Gemeinschaft unterwegs sein zu können, ist die Einübung des Zuhörens auf Gottes Stimme in seinem Wort, im eigenen Herzen und im Nächsten von entscheidender Bedeutung. Aufrichtiges und unvoreingenommenes Zuhören geschieht nicht nur mit den Ohren, sondern auch mit dem Herzen. Durch echtes Zuhören entsteht Begegnung, die freies Reden aus dem Herzen ermöglicht.

Befragung nennt sich die konkrete Form des Mitmachens. Jede und jeder Einzelne ist aufgerufen, sich an der Synode zu beteiligen. Dazu dient die Befragung, die keine Meinungsumfrage ist, sondern bei der die Fragen und Hoffnungen des Herzens ausgesprochen und im Sinne einer Unterscheidung beurteilt werden sollen.

Rückblick auf die Vorsynodale Versammlung der Erzdiözese Salzburg:
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