Hirtenbrief zum Familienfasttag 2015

Als Christinnen und Christen ist uns ja mit der Gottesliebe zugleich auch die Nächstenliebe tief ins Herz geschrieben. So dürfen wir an keiner Not achtlos vorübergehen

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14.05.2020

Liebe Familien, liebe Gläubige!

Ich darf mich zum ersten Mal als Erzbischof im Rahmen des Familienfasttages an Sie wenden, liebe Schwestern und Brüder im Glauben. Seit 1958 bemüht sich die katholische Frauenbewegung alljährlich um  jene, denen das Notwendigste zum Leben vorenthalten wird. Wie vielen Menschen in Not konnte durch diese großartige Anstrengung der Barmherzigkeit schon geholfen werden? Als Christinnen und Christen ist uns ja mit der Gottesliebe zugleich auch die Nächstenliebe tief ins Herz geschrieben. So dürfen wir an keiner Not achtlos vorübergehen. Auch wenn wir die Nöte dieser Welt nicht lösen können, so sollen wir doch nicht Ihnen das versagen, was wir durchaus zu tun vermögen und sei es noch so wenig.

Die österreichische Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner hat den inneren Zusammenhang von Mitgefühl und Zuwendung sehr schön ins Wort gefasst, wenn sie sagt: „Nach lieben ist helfen das schönste Zeitwort.“ Der Familienfasttag verbindet die Hilfeleistung mit der wohl tiefsten Form von Liebe, nämlich mit dem Opfer. Mutter Theresa, Selige, Engel der Armen, stellte ihr ganzes Wirken für die Ärmsten der Armen gleichsam unter das Motto: „Lieben bis es wehtut!“ Fasten ist Opfer. Fasten darf auch wehtun. In der Heiligen Schrift wird Fasten zumeist gemeinsam mit Gebet und Almosengeben genannt. Das Gebet reinigt die Motivation. Unser Helfen darf nicht gönnerhaft, gleichsam von oben herab geschehen. Für gläubige Menschen ist nicht nur die Gabe an sich wichtig, sondern vor allem auch die innere Einstellung. Ich weiß aus vielen Begegnungen mit armen Menschen, aber auch aus eigener Erfahrung, Hilfe anzunehmen kann schwer sein, wenn es von oben herab geschieht. Darum dürfen wir nicht vergessen: Letzter Grund, warum wir helfen liegt nicht darin, weil wir besser oder vermögender sind, nein, Christen und Christinnen tun Gutes aus gutem Grund, weil Gott gut ist. Weil wir alle aus seiner Gnade leben und somit von ihm Beschenkte sind. Wir teilen, da wir Anteil an der Überfülle Gottes bekommen haben. Der Heilige Apostel Paulus ermahnt die etwas eingebildete Gemeinde von Korinth mit den Worten: „Was hast du, das du nicht empfangen hättest?“ (1 Kor 4,7)

Eine besondere Glaubwürdigkeit bekommt diese Aktion, weil sie von der Familie getragen ist. Die Familie ist Keimzelle des Lebens, der Ort, wo Leben entstehen und sich entfalten kann. Selbst von Jesus wird berichtet, dass er an Alter und Weisheit im Kreise einer Familie zugenommen hat. Ein von der Familie getragenes und gutes Werk wird Wirkung und Ziel nicht verfehlen. Die Familie ist der Ort, wo wichtige Aufgaben des Lebens, wie Teilen von Freud und Leid, aufeinander Rücksicht nehmen, Schwächere nicht zu unterdrücken, die Pflege, gut miteinander umzugehen, alltäglich geübt werden. Die Familie ist die erste Schule des Gebetes. Von dieser Grundlegung hängt vieles ab, wie das Leben später sich entfaltet. Wenn nun an diesem Ort gemeinsam gebetet und gefastet wird, hat das eine Wirkkraft, die vielen Armen neuen Mut und neue Hoffnung bringt.

In der diesjährigen Aktion sind wir aufgerufen, das durch Fasten ersparte Geld für Projekte in Lateinamerika zu spenden. In besonderer Weise sollen damit Frauen in Nicaragua, die sehr an Ungleichbehandlung zu leiden haben, unterstützt werden.

Darum bitte ich Sie um großzügige Teilnahme an der Aktion Familienfasttag. „Gott liebt einen fröhlichen Geber.“ (2 Kor 9,7)

Gerne werde ich Ihren guten Willen, die große Bereitschaft zum Helfen, mit meinem Gebet begleiten und in der Eucharistiefeier als Opfer Gott darbringen.

Mit herzlichen Segenswünschen
Ihr
Dr. Franz Lackner
Erzbischof

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